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sputnic - visual artsAugust 18th, 2020 LIVE ANIMATION CINEMA

IOTA.KI

nach einem Originaldrehbuch von sputnic Theater Bremen / Moks, 2018
Award Lorbeer Auszeichung

Beste Produktion

HART AM WIND Festival, Kiel 2019

Im offiziellen Programm der

Ruhrfestspiele 2020

IOTA.KI

„Metropolis“ ist ein Klassiker des späten Stummfilms, gedreht in einer kreativen Hochphase des jungen Mediums Film. Im Medium Film und im Kino als seinem Ort schneiden sich auch die Themen des Films. Einerseits ist das Kino ein Ort der neuen Massenkultur, billiger, schneller und auch moralisch verrufener als die Säle der Theater und Opernhäuser. Andererseits ist das Kino, ist der Film ein Medium, in dem die Maschine den Menschen überlistet. Film funktioniert nur, weil unser Auge vor der Maschine kapituliert, weil die Traummaschine im Projektionsraum uns mit 24 Einzelbildern pro Sekunde austrickst, die uns eine fließende Bewegung vorgaukeln. Die Magie des Films entfaltet sich aus einer Schwachstelle des menschlichen Wahrnehmungsapparates heraus.

Geht sputnics Erzählung von „Metropolis“ einerseits in der Frage der Technologie viel weiter als Langs Film, so geht sie gleichzeitig im Medium quasi hinter diese zurück. Anstelle eines Films, der maschinell aufgezeichnet und maschinell wiedergegeben wird, operiert das Format des Live Animation Cinema quasi wie ein Live-Kino im Handbetrieb. Auf Overheadprojektoren, zwischen denen die Schauspielerinnen und Schauspieler hin- und herschalten können, werden transparente Platten mit Illustrationen aufgelegt, die bewegliche Elemente beinhalten und die von Hand animiert werden, während die dargestellten Figuren live synchronisiert werden. Wie z.B. industrielle Produktionsprozesse eine komplexe, präzise und Wiederholbare

Abfolge von Bewegungen des Menschen im Zusammenspiel mit den Maschinen fordern, so sieht man hier Schauspielerinnen und Schauspieler als lebendige Teile einer virtuosen Choreografie aus Animationsplatten, Schaltern, und Kabeln.
Auch real wird die Maschine zum Mitspieler auf der Bühne: der gesamte Soundtrack des Live Animation Cinema wird von einem Modularsynthesizer produziert. Dieser operiert völlig unabhängig von den Darstellerinnen und Darstellern, die zwar die Lautstärke der verschiedenen Soundspuren regeln können, jedoch produziert der Synthesizer ab dem Moment, an dem er am Stromnetz hängt autark immer weiter Klänge, deren Muster er nach einem Zufallsprinzip aufbaut.

Das Format des Live Animation Cinema legt die Materialität der Illusion stets offen und das nicht zufällig in einer Zeit, in der das Kino selbst seine Materialität verliert und im Sterben begriffen ist: Statt Filmstreifen liefern heute Datenströme die Bilder in die Säle, die sich zunehmend leeren, weil das Kino als Ort des gemeinschaftlichen Erlebens eines Films durch die neue Vereinzelung des heimischen oder mobilen netflix-Accounts abgelöst wird. So ist sputnics „Metropolis“ zugleich eine Liebeserklärung an das „alte“ Kino und ein neues, theatrales Kinoformat entstehend aus dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine auf der Bühne.

Florian Heller

PRESSE

Bricht mit allen Sehgewohnheiten...entwickelt einen Sog, dem sich keiner entziehen kann... Bilder wie im legendären Stummfilm...grandios besetzt...

...so archaisch stark, so utopisch, so naiv im positivsten Sinne, so analog scifi, so grafisch plakativ und so wunderbar neu!

FB Kommentar: Oliver Dentges

Hochinteressant und ein extrem unterhaltender Abend ... mit hochspannendem Ende.

Die phantastischsten Kino-Effekte zaubert dieser Abend mit den einfachsten Mitteln. Ein höchst unterhaltsamer Abend.

Ganz anders... Virtuose Darsteller... Alles drin, was ein guter Theaterabend braucht - und ein guter Film. Uneingeschränkt zu empfehlen.

...bricht immer wieder durch die Visualisierung, durch verschiedene Zeiten und Ebenen und durch die schriftstellerische Aneignung der Geschichte unsere Seh- und Hörgewohnheiten. Das ist ganz großes Kino

FB Kommentar: Nora Gummert Hauser

CREDITS

KONZEPT, BUCH, REGIE Nils Voges
PERFORMANCE/ANIMATION Alexey Ekimov, Kerstin Pohle, Sven Seeburg, Aless Wiesemann
ILLUSTRATIONEN Julia Zejn, Elena Minaeva
ANIMATIONPLATES DEPARTMENT Michael Dölle, Greta Stauch
BÜHNE Michael Konstantin Wolke
KOSTÜME Vanessa Rust
SOUNDINSTALLATION Holger Brandt
LIVE-TON Reinhard Dix
DRAMATURGIE Florian Heller

FOTOS Martin Kaufhold,
Michael Wolke, Nele Hauke, Bastian Rottinghaus